AHDS (Akutes hämorrhagisches Diarrhoe-Syndrom) beim Hund
Erkrankt ein Hund an AHDS bzw. HGE, wirkt das dramatisch – denn das typische Symptom ist plötzlicher, massiver blutiger Durchfall. Und tatsächlich ist damit nicht zu spaßen. Die betroffenen Hunde verlieren nämlich innerhalb kürzester Zeit so viel Flüssigkeit, dass sie ohne Behandlung versterben können.
Erfahren Sie hier von einer Tierärztin, was es mit dem akuten hämorrhagischen Diarrhö-Syndrom auf sich hat, wie es behandelt wird und wie die Prognose ist.
AHDS (HGE) beim Hund: Steckbrief
Beschreibung AHDS (HGE)
Bei AHDS (Akutes Hämorrhagisches Diarrhoe-Syndrom; früher als HGE, hämorrhagische Gastroenteritis, bezeichnet) handelt es sich um eine akute Erkrankung bei Hunden, die sehr oft mit (teilweise blutigem) Erbrechen beginnt und anschließend durch plötzlichen, massiven blutigen Durchfall gekennzeichnet ist.
Die betroffenen Hunde verlieren innerhalb kurzer Zeit sehr viel Flüssigkeit und Elektrolyte, wodurch es schnell zu einem lebensbedrohlichem Flüssigkeitsmangel (Dehydratation) und zu einem sogenannten Volumenmangel-Schock kommen kann.
Als Folge der Darmschädigung können auch Bakterien aus dem Darm in den Körper eindringen und zu einer Blutvergiftung und zum septischen Schock führen.
Die AHDS/HGE-Erkrankung kann unterschiedlich schwer verlaufen. Typisch ist aber ein ganz plötzlicher Beginn bei vorher gesunden, unauffälligen Hunden.
Theoretisch können Hunde jeglichen Alters und Rassen an AHDS/HGE erkranken, typischerweise sind aber junge bis mittelalte Hunde kleiner Rassen betroffen.
Symptome bei AHDS (HGE)
Im Gegensatz zu „normalem Durchfall“ verläuft AHDS bzw. HGE sehr rasant – innerhalb von nur 8-12 Stunden kann es zu schweren Symptomen kommen:
Die betroffenen Hunde werden zunächst immer schlapper und hören mit dem Fressen auf. Viele Hunde erbrechen zusätzlich, mitunter auch blutig – bei ca. 80% der Hunde ist (blutiges) Erbrechen das erste Anzeichen. Bauchschmerzen sind ein weiteres häufiges Symptom.
Innerhalb dieser Zeit beginnt auch der Durchfall. Im Kot des betroffenen Tieres finden sich entweder gleich blutige Beimengungen oder der Durchfall ist zu Beginn von AHDS noch bräunlich und wird dann zunehmend rötlicher und schleimiger. Schließlich kommt es zu fast explosivem, blutigem Durchfall.
Durch den massiven, flüssigen Durchfall verlieren die Hunde in sehr kurzer Zeit sehr viel Flüssigkeit – und genau das ist das Hauptproblem an AHDS: die Hunde trocknen bald aus und die Kreislauf-Situation verschlechtert sich immens schnell. Daher ist rasche tierärztliche Hilfe gefordert!
Normalerweise haben Hunde eine innere Körpertemperatur zwischen 38,0-39,0°C. Aufgrund des starken Durchfalls können viele Hunde ihre Temperatur nicht halten und das Thermometer zeigt deutlich weniger als 38,0°C an. Auf der anderen Seite kann es gelegentlich aber auch zu Fieber kommen.
Ursachen und Risikofaktoren von AHDS (HGE)
Es gibt einige Faktoren, die die Krankheit begünstigen. Allerdings ist bis heute nicht restlos geklärt, was nun definitiv zum Ausbruch von AHDS bzw. HGE führt.
Zu den Triggern (=krankheitsfördernden Faktoren) zählen das Vorliegen einer chronischen Darmerkrankung, die Art der Fütterung, bestimmte Toxine einer Bakterienart (sog. „Clostridium perfringens NetF“), Stress, Rasse und Alter.
Mögliche Faktoren bei der Entstehung von AHDS (HGE)
Untersuchungen und Diagnose bei AHDS (HGE)
Es gibt keinen Test, den der Tierarzt einfach durchführen kann, um AHDS bzw. HGE zu diagnostizieren. Stattdessen handelt es sich um eine sogenannte Ausschlussdiagnose.
Das bedeutet, dass man alle anderen gängigen Ursachen für Durchfall (wie z.B. Parasiten, Parvovirose, einen Fremdkörper oder eine Bauchspeicheldrüsenentzündung) ausschließen muss, bevor man die Erkrankung als AHDS bezeichnen darf.
Eine vollständige Untersuchung umfasst ein Blutbild (Hämatologie), eine Blutchemie (Untersuchung der Organwerte), einen Bauchultraschall und eine Sammelkot-Probe.
Eine Blutuntersuchung ist aus mehreren Gründen wichtig:
- Um andere Ursachen von Durchfall zu finden bzw. auszuschließen
- Um die Schwere der Erkrankung besser einschätzen zu können
- Um eine angemessene Therapie starten zu können
Behandlung bei AHDS (HGE)
Da AHDS ohne aggressive, intensive Behandlung tödlich verlaufen kann, sind die Hunde am besten stationär in einer Tierklinik oder beim Tierarzt aufgehoben. Eine ambulante Behandlung kommt i.d.R. nur selten und bei leichten Fällen in Frage.
Das Wichtigste ist, dass die betroffenen Hunde dann so schnell wie möglich Flüssigkeit über eine Infusion direkt in die Vene bekommen, um die schwere Austrocknung und den Schock zu bekämpfen.
Zusätzlich bekommen die von AHDS bzw. HGE betroffenen Hunde eine sog. symptomatische Therapie, also z.B. (magenfreundliche) Schmerzmittel und Mittel gegen Übelkeit.
Antibiotika erhalten die erkrankten Hunde nur dann, wenn der Verdacht einer Sepsis (Blutvergiftung) besteht (u.a. entweder extrem hohe oder eine sehr niedrige Anzahl an Entzündungszellen im Blut).
In seltenen Fällen ist eine Transfusion von Blutprodukten (Plasma) notwendig.
Früher hat man Hunde bei akuten Magen-Darm-Erkrankungen fasten lassen, das gilt heute aber als längst überholt und sogar schädlich. Denn die Darmzotten brauchen kontinuierlich Energie in Form von Nahrung. Daher sollten die Hunde so rasch wie möglich fettarme Schonkost in kleinen Portionen bekommen.
Prognose bei AHDS (HGE)
Mit einer raschen, intensiven Behandlung ist die Prognose bei AHDS bzw. HGE i.d.R. gut und den Hunden geht es nach ein bis zwei Tagen schon wieder besser.
Unbehandelt sterben dagegen leider viele Hunde.
Vorbeugung gegen AHDS (HGE)
Leider weiß man mittlerweile, dass betroffene Hunde ein relativ hohes Risiko haben, die Erkrankung wieder zu bekommen (ca. 10% Rezidivrate). Bis zu 30% aller Hunde entwickeln nach einer Episode AHDS bzw. HGE sogar eine chronische Darmerkrankung.
Eine gezielte Vorbeugung gegen AHDS bzw. HGE wie zum Beispiel in Form einer Impfung gibt es nicht. Da es allerdings mehrere krankheitsfördernde Faktoren gibt, ist es wichtig, diese als solche zu erkennen und nach Möglichkeit zu eliminieren:
Wenn Ihr Hund einen sehr empfindlichen Magen-Darm-Trakt hat, sollte die Futter-Ration am besten von einem/r FachtierärztIn für Ernährung überprüft werden. So können außerdem in einem ausführlichen Beratungsgespräch mit einem Profi alle aufkommenden Fragen zum Thema Fütterung (und vor allem Leckerlis!!!) geklärt werden. Das gewohnte Futter sollte nicht plötzlich gewechselt werden und sie sollten penibel darauf achten, dass ihr Hund keine Tischreste zu fressen bekommt.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Vermeidung von Stress: Auch wenn es kaum Studien zu diesem Thema gibt ist die Autorin durch ihre langjährige klinische Erfahrung der festen Überzeugung, dass Stress einen wesentlichen (negativen) Beitrag zur Entstehung von Magen-Darm-Erkrankungen leistet. Sie empfiehlt daher gezieltes Training mit einer/m HundetrainerIn, um betroffene Hunde einerseits körperlich adäquat auszulasten als auch Übungen zur konditionierten Entspannung zu trainieren.
Als weiterer möglicher Auslöser für AHDS gilt das Fressen von Schnee in der kalten Jahreszeit, ebenso wie das Ablecken der Pfoten, wenn noch Streusalz darauf ist. Versuchen Sie Ihren Hund deswegen davon abzuhalten, Schnee zu fressen und baden Sie die Pfoten nach jedem Spaziergang mit lauwarmem Wasser ab.
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Über Mag. med. vet. Elisabeth Baszler
Gastautorin Elisabeth Baszler ist Fachtierärztin für Kleintiere und hat zuletzt an der VetMedUni Vienna gearbeitet. 2022 hat sie nun ihren Traum wahr gemacht und die 1st Day Skills Academy gegründet. Dort vermittelt sie mit viel Herzblut und Wissen unseren jungen (angehenden) Tierarztkollegen alle praktischen Skills, die sie für den Arbeitsalltag brauchen! Außerdem hält sie regelmäßig Vorträge für Hunde- und Katzenhalter, in denen sie ihnen u.a. Themen wie Erste Hilfe und Notfälle bei unseren Haustieren näherbringt. Die erfahrene österreichische Kollegin ist selbst begeisterte Katzen- und Hundehalterin – auf dem Bild sehen wir sie mit ihrer Katze Stöpsi!






