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Präputialkatarrh und Vorhautentzündung beim Hund

Hundetripper, Penisausfluss

///Präputialkatarrh und Vorhautentzündung beim Hund

Die Ursache für weißlich-gelben Ausfluss aus dem Penis beim Rüden ist oft eine vermehrte Produktion von Vorhautsekret (Smegma), auch Präputialkatarrh genannt. Im Gegensatz zur Vorhautentzündung (Balanoposthitis) – die ähnliche Symptome verursacht – ist ein Präputialkatarrh jedoch harmlos.

Präputialkatarrh und Vorhautentzündung  (Hund): Zusammenfassung

  • Häufigkeit der Erkrankung: Relativ häufig

  • Schwere der Erkrankung: Leicht

  • Vorkommen: Bei Rüden

  • Ansteckungsgefahr: Nicht ansteckend für Tiere oder Menschen

  • Typische Symptome: Weißlich-gelber Ausfluss aus der Vorhautöffnung des Penis

  • Verlauf: Chronisch

  • Diagnose: Gründliche Untersuchung von Vorhaut und Penis

  • Behandlungsmöglichkeiten: Beim Präputialkatarrh desinfizierende Spülungen, Kastration. Bei einer Vorhautentzündung desinfizierende Spülungen und Antibiose.

  • Prognose: Gut bis sehr gut

  • Zuständige Spezialisten: Spezialisten für Reproduktionsmedizin

Beschreibung

Der Präputialkatarrh beim Rüden ist keine Erkrankung im eigentlichen Sinn. Wenn Hunde davon betroffen sind, ist dies für sie also nicht schlimm – dafür aber unangenehm für den Besitzer. Beim Präputialkatarrh wird vermehrt Smegma – ein Gemisch aus Drüsensekret des Penis bzw. der Vorhaut, Harnresten und abgestorbenen Zellen – gebildet. Das Smegma sammelt sich in der Vorhaut (Präputium) an und tropft dann als weißlich-gelbe Flüssigkeit aus der Vorhautöffnung des Rüden.

Der Präputialkatarrh ist oft sehr unangenehm, da der Rüde das Smegma in der Wohnung oder auf Möbeln verteilt. Der Ausfluss ähnelt im Aussehen zwar einer eitrigen Flüssigkeit, ist aber unbedenklich und stellt tatsächlich eher ein hygienisches Problem für die Besitzer dar. Die Menge an Smegma kann von Hund zu Hund sehr unterschiedlich sein. Manche Rüden putzen sich selbst so gut, dass der Besitzer gar keinen Ausfluss bemerkt.

Manchmal ist es aber schwierig zu unterscheiden, ob es sich bei dem Ausfluss wirklich um einen Präputialkatarrh handelt oder ob eine andere Ursache dahintersteckt.

Für Ausfluss aus der Penisöffnung kommen viele Erkrankungen in Frage – allen voran die Balanoposthitis. Bei der Balanoposthitis (Vorhautentzündung bzw. Vorhaut-Penis-Entzündung) kommt es zur Bildung eines eitrigen Ausflusses, der dem Smegma sehr ähnlich sieht. Hier sind aber in der Regel Erreger (Bakterien, Viren) an der Entzündung beteiligt.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Bildung von Smegma ist beim unkastrierten Rüden normal, nur die Menge kann von Tier zu Tier variieren. Eine Ursache für einen Präputialkatarrh beim Hund gibt es in diesem Sinne also nicht.

Die Vorhautentzündung bzw. Vorhaut-Penis-Entzündung (Balanoposthitis) wird hingegen durch verschiedene Keime (Bakterien, Viren) ausgelöst. Diese können sich bei kleinen oder größeren Verletzungen der Schleimhaut dort festsetzen und eine Entzündung verursachen. Auch ein Fremdkörper oder ständiges Belecken durch den Hund kann die Schleimhaut verletzen und zu einer Balanoposthitis führen. Ein Präputialkatarrh kann also in eine Vorhautentzündung übergehen, wenn der Hund sich ständig und übermäßig am Penis putzt.

Symptome bei Präputialkatarrh und Vorhautentzündung

Das auffälligste und meist auch einzige Symptom eines Präputialkatarrhs ist der milchig-gelbliche Ausfluss aus der Vorhautöffnung am Penis des Rüden. Die Hunde sind aber nicht in ihrem Allgemeinbefinden gestört und verhalten sich sonst völlig normal. Ein Präputialkatarrh verursacht auch keine Schmerzen. Wenn recht viel Smegma gebildet wird oder der Hund sehr reinlich ist, kann ein übermäßiges Putzen und Belecken des Penis auffallen.

Bei einer Balanoposthitis (Vorhautentzündung bzw. Vorhaut-Penis-Entzündung) kann man einen gelblichen, manchmal auch grünlichen oder blutigen Ausfluss beobachten. Die Penisspitze und die Schleimhaut der Vorhaut sind gerötet bis bläulich verfärbt, da eine Entzündung vorliegt. Nicht selten sind die Hunde auch schmerzempfindlich am Penis. In schweren Fällen kann das Gewebe des Penis und der Vorhaut sogar absterben. Die Tiere wirken dann auch allgemein „krank“ und haben z.B. verminderten Appetit oder sind teilnahmslos.

Untersuchungen und Diagnose

Um die Ursache für den Ausfluss aus dem Penis festzustellen zu können, muss der Tierarzt einige Untersuchungen durchführen. Vor einer klinischen Allgemeinuntersuchung wird er zunächst einige Fragen zur Krankengeschichte des Hundes stellen (z.B. seit wann der Ausfluss beobachtet wurde, ob noch andere Symptome aufgefallen sind oder ob und wann der Rüde kastriert wurde).

Danach untersucht der Tierarzt den Penis und die Vorhaut genau. In vielen Fällen reicht diese Untersuchung aus, um die Diagnose Präputialkatarrh oder Balanoposthitis zu stellen. Er schaut außerdem nach Verletzungen oder Fremdkörpern, die als Ursache für eine Balanoposthitis in Frage kommen. Auch einen Tumor am Penis kann er dadurch ausschließen.

Zeigt der Hund neben dem Ausfluss noch weitere Symptome und vermutet der Tierarzt eine andere Ursache für den Penisausfluss, können weitere Untersuchungen notwendig sein.

Behandlung von Präputialkatarrh und Vorhautentzündung

Präputialkatarrh

Wenn es für den Besitzer nicht unangenehm ist und der Hund nicht durch andauerndes Belecken und Putzen gestresst ist, muss ein Präputialkatarrh nicht zwingend behandelt werden.

Stellt er in irgendeiner Weise eine Einschränkung oder Belastung für Hund oder Besitzer dar, kann durch Spülungen mit desinfizierenden Lösungen (z.B. Chlorhexidin, Kamillentee) und Salben manchmal eine Besserung erreicht werden. Allerdings ist diese in der Regel nur vorübergehend. Antibiotika sind nicht notwendig und haben außerdem keinen Effekt, da beim Präputialkatarrh keine Bakterien beteiligt sind.

In vielen Fällen ist die Kastration die einzige dauerhafte Therapie beim Präputialkatarrh. Nach wenigen Wochen reduziert sich die Smegma-Produktion dann meistens (jedoch nicht immer).

Soll die Fruchtbarkeit des Rüden aber erhalten bleiben, weil er zu einem späteren Zeitpunkt zur Zucht eingesetzt werden soll, stellt die chemische Kastration (z.B. durch einen Kastrations-Chip) eine Alternative dar. Man muss aber beachten, dass ein solcher Chip beim Rüden auch Nebenwirkungen hat und die Entstehung bestimmter Tumoren (z.B. Mammatumoren) fördern kann.

Balanoposthitis

Bei der Balanoposthitis hingegen ist in der Regel der Einsatz von Antibiotika in Form von Salben und/oder als Tabletten notwendig. Zusätzlich werden Spülungen des Penis und der Vorhaut mit desinfizierenden Lösungen durchgeführt. Ist ein Fremdkörper die Ursache für die Vorhautentzündung, muss dieser natürlich entfernt werden. In schwierigen und dramatisch verlaufenden Fällen kann bei einer Balanoposthitis auch eine Operation notwendig sein, um das abgestorbene Gewebe zu entfernen.

Prognose bei Präputialkatarrh und Vorhautentzündung

Die Prognose beim Präputialkatarrh ist für den Hund sehr gut, da es sich ja nicht um eine Erkrankung handelt, die dem Hund schadet. Die Behandlung kann aber schwierig sein und in vielen Fällen kann nur mit einer Kastration eine dauerhafte Besserung erreicht werden.

Bei der Balanoposthitis ist die Prognose davon abhängig wie schnell die Entzündung behandelt wird und wie schwerwiegend diese ist. In vielen Fällen ist die Vorhautentzündung bzw. Vorhaut-Penis-Entzündung aber gut in den Griff zu bekommen. Nur selten kann der Penis des Hundes nicht gerettet werden, sodass er amputiert werden muss.

Vorbeugung von Präputialkatarrh und Vorhautentzündung

Um beim Rüden einem Präputialkatarrh vorzubeugen, ist die chirurgische oder chemische Kastration die einzige Möglichkeit. Vorbeugende regelmäßige Spülungen sind nicht immer erfolgreich.

Ein Präputialkatarrh kann auch in eine Vorhautentzündung übergehen, wenn der Rüde ständig und andauernd die Vorhaut und den Penis sauber leckt. Durch die raue Hundezunge kann die Schleimhaut so gereizt werden, dass sich eine Entzündung entwickelt. Aus diesem Grund sollte man versuchen den Hund von ständigem Lecken und Säubern abzuhalten um einer Vorhautentzündung vorzubeugen.

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Quellen

08. Januar 2018

Von Dr. Stefanie Mallmann

2018-10-27T19:08:10+00:00

Über den Autor:

Geboren in der Nähe von Passau habe ich von 2008 bis 2014 an der LMU München Tiermedizin studiert. Nach meinem Abschluss habe ich meine Doktorarbeit in der Dermatologie der Medizinischen Kleintierklinik München (Thema: Auswertung eines neuartigen Allergietests) gemacht. Anschließend habe ich ein Jahr in der Onkologie gearbeitet. Die Arbeit mit krebskranken Tieren war zwar oft sehr traurig, aber ich habe dort viele tolle Tiere und ihre Besitzer kennengelernt. 2014 habe ich meine Mischlingshündin Lotta adoptiert – unseren süßen Bürohund.