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Katzenakne: Kinnakne bei der Katze

///Katzenakne: Kinnakne bei der Katze

Katzenakne? Ja, tatsächlich können auch Katzen an Akne leiden! Typischerweise äußert sie sich durch Pickel und Mitesser am Kinn, es kann aber auch zu einer schweren Hautentzündung kommen. Lesen Sie hier alles zu Auslösern, Diagnose und Behandlung.

Katzenakne/Kinnakne: Zusammenfassung

  • Häufigkeit der Erkrankung: Häufig

  • Schwere der Erkrankung: Meist leicht

  • Vorkommen: Bei Katzen aller Rassen und Altersstufen möglich

  • Ansteckungsgefahr: Nicht ansteckend für Tiere oder Menschen

  • Typische Symptome: Am Kinn/an den Lippen: Mitesser, Pickel, Knötchen, Pusteln, Krusten, blutige/eitrige Wunden

  • Verlauf: Oft chronisch

  • Diagnose: Hautuntersuchung

  • Behandlungsmöglichkeiten: Managementmaßnahmen, Desinfektion, ggf. Antibiotika

  • Prognose: Gut bis sehr gut

  • Zuständige Spezialisten: Spezialisten für Hauterkrankungen (Dermatologen)

Beschreibung

Milde Form der Kinnakne

Milde Form der Kinnakne bei einem Kater.

Die Katzenakne, auch als Kinnakne oder feline Akne bezeichnet, ist eine relativ häufige Hauterkrankung bei Katzen. Typisch für sie sind Mitesser, Pickel und/oder Pusteln vor allem am Kinn.

Dabei ist die Katzenakne – anders als die Akne beim Menschen – keine typische „Jugenderkrankung“: sie kann bei Katzen aller Altersgruppen, Rassen und Geschlechter auftreten. Der Verlauf ist dann von Katze zu Katze unterschiedlich: manche erleiden nur eine Krankheitsepisode, bei anderen heilt die Kinnakne ab, kommt aber immer wieder, und wieder andere zeigen dauerhaft Akne-Symptome.

Bei der Katzenakne kann der in den Haarbälgen (Follikeln) produzierte Talg nicht nach außen „abfließen“ (die Poren sind sozusagen verstopft). Dadurch sammelt sich immer mehr Talg an und die Haarbälge werden gedehnt (zu erkennen als Mitesser oder Pickel).

Vor allem wenn Bakterien oder andere Keime die Pickel infizieren, kommt es schließlich oft zu einer Entzündung. Wird dabei die Follikelwand zerstört, gelangt das in den Haarbälgen eingeschlossene Material (Keratin, Talg, Haare, Keime) in das umgebende Gewebe – und verursacht dort eine starke Entzündungsreaktion.

Symptome bei Katzenakne

Typische Hautveränderungen an Kinn und Lippen von Katzen mit Kinnakne:

  • Mitesser/Pickel
  • Kleine Knötchen (Papeln)
  • Rötungen
  • Haarlose Bereiche
  • Krusten
  • Pusteln
  • Eitrige/blutige Wunden
  • Schwellung
  • Juckreiz

EInzelner Mitesser bei einer Katze

Einzelner Mitesser am Kinn einer Katze.

Schwere Form der Katzenakne

Schwerer Fall von Katzenakne (self, Feline chin acne, CC BY-SA 3.0)

Das erste und typischste Anzeichen der Katzenakne sind schwarze oder dunkelgelbe Pickel/Mitesser (Komedonen) am Kinn der Katze (seltener auch an der Unter- oder Oberlippe).

Dabei kann es sein, dass die Pickel sehr deutlich als solche zu erkennen sind (kleine oder auch größere, dunkle, feste Talgansammlungen, die aus „Löchern“ zu kommen scheinen). Sie können aber auch sehr klein sein und – wenn es viele sind – den Eindruck erschaffen, dass das Kinn „dreckig“ ist. Manchmal äußert sich die Katzenakne auch durch kleine, teilweise gerötete Knötchen.

Oft spürt man die kleinen, festen Pickel beim Kraulen des Kinns. Wenn die Mitesser sehr groß sind, kann es sein, dass die Katze dabei Unbehagen oder Schmerzen zeigt (durch den Druck der Pickel auf das umgebende Gewebe). Viele Katzen stören die Mitesser bzw. Pickel dagegen gar nicht.

Häufig bleibt die Kinnakne in diesem „harmlosen“ Mitesser-Stadium. Bei manchen Stubentigern kommt es irgendwann allerdings zur Entzündung – und auch eine zusätzliche Infektion mit Bakterien ist keine Seltenheit. Die Folge können dann Rötungen, haarlose Bereiche, Krusten, Knoten, Pusteln (Eiter-gefüllte Bläschen) und nässende oder sogar blutende und/oder eitrige Wunden sein. Dabei kann das Kinn der Katze deutlich anschwellen. Bei schwerer Katzenakne kann es schließlich auch zur Narbenbildung kommen (wenn die offenen Stellen abheilen).

Manche Katzen mit Kinnakne zeigen außerdem Schmerzen und/oder Juckreiz und reiben ihr Kinn z.B. an Möbeln.

Ursachen und Risikofaktoren der Katzenakne

Bis heute ist nicht klar, wieso manche Katzen an Kinnakne erkranken (es handelt sich um eine sog. „idiopathische“ Erkrankung, d.h. wir Tierärzte kennen die Ursache nicht). Es gibt allerdings einige Faktoren von denen angenommen wird, dass sie bei der Entwicklung der Katzenakne eine Rolle spielen:

  • Mangelhaftes Putzverhalten der Katze

  • Stress

  • Übermäßige Besiedlung der Haut mit Bakterien, z.B. durch

    • Fressen aus verschmutzten Schüsseln
    • Fressen aus Plastikschüsseln
  • Überproduktion von Talg bzw. Produktion von abnormalem Talg

  • Geschwächtes Immunsystem

Früher wurde angenommen, dass die Entstehung von mikroskopisch kleinen Hautverletzungen beim Fressen aus Plastiknäpfen (im Vergleich zu Näpfen aus Glas, Metall oder Keramik haben diese eine raue Oberfläche) ein Auslöser für die feline Akne ist. Heute geht man dagegen davon aus, dass die große Menge an Bakterien auf der porösen Oberfläche von Plastikschüsseln das wahre Problem ist.

Untersuchungen und Diagnose der Kinnakne

Aufgrund des typischen Erscheinungsbildes ist es für den Tierarzt meist recht einfach, die Diagnose Katzenakne zu stellen. Dennoch müssen andere Krankheiten (z.B. Demodex-Milben, Hautpilz, Hefepilzinfektion) als Ursache für die Hautveränderungen ausgeschlossen werden – z.B. durch die Untersuchung von Haaren unter dem Mikroskop oder die Durchführung einer Pilzkultur.

Wie bereits erwähnt, liegt bei Kinnakne oft eine zusätzliche Infektion mit Bakterien vor. Es ist sehr wichtig diese zu erkennen (und gegebenenfalls zu behandeln), da sie die Entzündung verstärkt und die Symptome stark verschlimmern kann. Um herauszufinden, ob eine Katze mit Kinnakne an einer Sekundärinfektion mit Bakterien leidet, nimmt der Tierarzt meist ein sog. Abklatschpräparat. Dabei wird ein kleines Glasplättchen auf die Hautveränderungen gepresst – so werden Hautzellen und mögliche Bakterien auf das Glas übertragen und können anschließend unter dem Mikroskop beurteilt werden.

In sehr schweren Fällen kann es nötig sein, zur Diagnose (und zum Ausschluss anderer Krankheiten, wie Hautkrebs oder das eosinophile Granulom) eine Biopsie aus dem betroffenen Gebiet zu entnehmen. Dazu stanzt der Tierarzt ein kleines Gewebestück aus der Haut aus und schickt es einem Pathologen zur Untersuchung.

Behandlung der Katzenakne

Achtung!

Viele Katzenbesitzer werden – v.a. bei nur leichter Kinnakne – ihre Katze nicht gleich zum Tierarzt bringen und erst mal selbst eine Behandlung versuchen. Vor allem, wenn das Kinn Ihrer Katze (stark) entzündet ist, sie Schmerzen bzw. weitere Symptome zeigt oder die Behandlung nicht anschlägt, sollten Sie Ihre Katze aber auf jeden Fall zum Tierarzt bringen!

Die Behandlung der Kinnakne hängt stark vom Schweregrad der Erkrankung ab. Wenn es sich nur um einige Mitesser handelt, die die Katze nicht stören, ist eine Behandlung nicht zwingend nötig.

Einige Maßnahmen sind allerdings bei allen Katzen mit Kinnakne sinnvoll:

  • Wechseln Sie von Futternäpfen aus Plastik auf solche aus Metall, Keramik oder Glas.

  • Reinigen Sie alle Näpfe mindestens einmal täglich, um die Keimbelastung möglichst niedrig zu halten.

  • Es kann auch helfen (und einer Verschlechterung der felinen Akne vorbeugen), wenn man das Kinn der Katze nach dem Fressen mit einem feuchten Tuch reinigt und danach abtrocknet.

Entfernung störender Mitesser

Wenn Katzen mit Kinnakne größere Mitesser haben (und diese der Katze Unbehagen bereiten), kann man versuchen sie vorsichtig zu entfernen. Dabei sollte man allerdings nicht an ihnen rumdrücken. Stattdessen sollte man ein Tuch mit warmem Wasser oder Kamillentee tränken und es einige Minuten lang vorsichtig an die betroffenen Hautstellen halten. Dadurch wird das Gewebe weicher und geschmeidiger. So lassen sich die Mitesser dann oft ganz einfach mit einem trockenen Tuch herausreiben oder „-kraulen“.

Desinfektion des Kinns

Manchmal reichen die beschriebenen Maßnahmen nicht aus – z.B. wenn die Mitesser der Katze Schmerzen bereiten bzw. jucken oder die betroffenen Bereiche entzündet bzw. infiziert sind. In einem solchen Fall macht es Sinn, die Hautstellen zu desinfizieren.

Dazu reibt man die betroffenen Stellen einmal täglich oder alle zwei Tage mit speziellen Reinigungspads bzw. mit Desinfektionsmittel-getränkten Tüchern/Wattepads ab (bis die Hautstellen abgeheilt sind, danach Häufigkeit nach Bedarf).

Es gibt viele verschiedene, speziell für Tiere entwickelte Reinigungspads (z.B. Albrecht MalAcetic Wipes, Douxo Pyo Pads, CLX Wipes), die geeignete Desinfektionsmittel (z.B. Chlorhexidin) enthalten, dabei sehr praktisch in der Anwendung sind und beim Desinfizieren auch nicht brennen. Sie können aber auch etwas medizinischen Alkohol auf ein Tuch geben und die Haut damit abreiben.

Manchmal kann es allerdings passieren, dass die Desinfektionsmittel die Haut reizen und zu stark austrocknen – und dadurch die Symptome verschlechtern. In einem solchen Fall kann man stattdessen ein medizinisches (antiseborrhoisches) Shampoo verwenden (1 mal täglich bis 2 mal pro Woche). Geeignet sind dabei spezielle Shampoos für Hunde und Katzen, die Ethyl-Lactat, Sulfursalicyl-Säure oder Benzoyl-Peroxid enthalten (z.B. Virbac Etiderm, Virbac Sebolytic, Almapharm DermaBact Shampoo).

Behandlung bei schweren Fällen von Katzenakne

Wenn Katzen schwer von Kinnakne betroffen sind und die Haut stark entzündet ist (z.B. eitrige Pusteln, nässende/blutende/eitrige Wunden) oder das Allgemeinbefinden der Katze gestört ist (z.B. starke Schmerzen, Appetitlosigkeit, Fieber) können zusätzliche Behandlungen nötig sein – z.B. die Gabe von Antibiotika, Antibiotika-haltiger Salbe, Vitamin-A-Salbe oder Cortison. Der Tierarzt wird im einzelnen Fall entscheiden, welche Maßnahmen bei Ihrer Katze sinnvoll sind. Es kann z.B. auch Sinn machen, das Fell am Kinn zu scheren, so dass die eingesetzten Mittel besser an die Haut gelangen.

Prognose bei feliner Akne

Die Prognose bei Kinnakne ist gut bis sehr gut. In aller Regel ist die Erkrankung nicht lebensbedrohlich.

In vielen Fällen handelt es sich allerdings um ein dauerhaftes oder immer wiederkehrendes Problem. Durch geeignete Maßnahmen lässt sich die Katzenakne aber meist gut unter Kontrolle halten.

Vorbeugung

Da die Ursache der Katzenakne bis heute nicht bekannt ist, kann man der Erkrankung auch nicht sicher vorbeugen. Es gibt allerdings einige Maßnahmen, die das Erkrankungsrisiko senken können:

  • Verwenden Sie nur Näpfe aus Keramik, Metall oder Glas.
  • Reinigen Sie alle Näpfe mindestens einmal täglich.
  • Wenn Ihre Katze eher „putzfaul“ ist, können Sie ihr Kinn nach dem Fressen reinigen.

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Quellen

25. August 2018

Von Dr. Iris Wagner-Storz

2018-10-27T19:54:12+00:00

Über den Autor:

Als ursprüngliche Schwäbin bin ich 2007 nach München gezogen um Tiermedizin an der LMU zu studieren. Anschließend hab ich meine Doktorarbeit in der Dermatologie der Medizinischen Kleintierklinik München geschrieben – über eine neue Art der Immuntherapie bei Hunden mit Umweltallergie. Meine Lieblingsbereiche sind die Dermatologie, die Innere Medizin und Infektionskrankheiten. Ich bin stolze Dosenöffnerin für meine beiden Miezen Nini und Clyde, liebe alle Tiere (Katzen aber natürlich besonders) und habe eine Schwäche für Kuchen.