Plattenepithelkarzinome bei der Katze sind nicht selten und genau wie bei uns Menschen wird diese Art des Hautkrebses oft durch UV-Strahlung, also Sonnenlicht, ausgelöst. Vor allem weiße Katzen sind von dieser Erkrankung betroffen. Erfahren Sie hier mehr zu den Ursachen, der Diagnose und den Behandlungsmöglichkeiten.

Kutanes Plattenepithelkarzinom (Katze): Zusammenfassung

  • Häufigkeit der Erkrankung: Gelegentlich

  • Schwere der Erkrankung: Schwer

  • Vorkommen: Häufig bei älteren Katzen (über 10 Jahre); weiße Katzen erkranken deutlich häufiger

  • Ansteckungsgefahr: Nicht ansteckend für Tiere oder Menschen

  • Typische Symptome: Krustige oder blutende, nicht heilende Hautveränderungen, v.a. im Gesichtsbereich

  • Verlauf: Chronisch

  • Diagnose: Gewebeprobe (Biopsie) 

  • Behandlungsmöglichkeiten: Chirurgische Entfernung und/oder Strahlentherapie

  • Prognose: Vorsichtig bis schlecht

  • Zuständige Spezialisten: Spezialisten für Krebserkrankungen (Onkologie)

Beschreibung

Die Haut der Katze ist aus mehreren Zellschichten aufgebaut. Die oberste Schicht wird Epidermis genannt und besteht aus vielen, dicht zusammengelagerten und fest verbundenen Zellen. Diese spezielle Anordnung der Zellen wird als Plattenepithel bezeichnet. Der Großteil des Körpers und verschiedene innere Körperoberflächen, wie z.B. die Maulhöhle, sind von einem Plattenepithel bedeckt.

Genau wie alle anderen Zellen im Körper, können auch die Zellen des Plattenepithels bösartig entarten und ein sogenanntes Plattenepithelkarzinom bilden. Diese bösartige Krebserkrankung ist bei Katzen der am häufigsten vorkommende Hauttumor. Genau wie bei uns Menschen wird diese Art des Hautkrebses meist durch die UV-Strahlung des Sonnenlichts ausgelöst. Dies ist auch der Grund, warum die Veränderungen überwiegend an nicht oder gering pigmentierten (hellen) und wenig behaarten Hautstellen auftreten – z. B. an der Nase, den Augenlidern oder den Ohrrändern.

Die Plattenepithelkarzinome wachsen bei Katzen an Ort und Stelle meist recht aggressiv und rufen starke Veränderungen der Haut hervor. Bei einigen Katzen kann es auch zu einer Metastasierung (Streuung) des Tumors in die Lymphknoten oder die Lunge kommen. In aller Regel streut das Plattenepithelkarzinom jedoch langsam und Metastasen sind – wenn überhaupt – erst spät im Krankheitsverlauf feststellbar.

Das Plattenepithelkarzinom entwickelt sich meist aus einer Vorstufe der Erkrankung, der sogenannten aktinischen Keratose bzw. Carcinoma in situ. Bei dieserFrühform des Hautkrebses ist die unterste Lage der Haut – die sogenannte Basalmembran – noch nicht betroffen. Wenn die Erkrankung bereits in diesem Stadium erkannt wird, kann durch eine frühzeitige Therapie die Entwicklung in ein Plattenepithelkarzinom verhindert werden. Die Prognose ist dabei deutlich besser.

Eine Sonderform ist die sogenannte Bowen´s Disease (Bowensche Krankheit). Hierbei treten die Plattenepithelkarzinome in großer Zahl am gesamten Körper auf, also nicht nur an den wenig behaarten und wenig pigmentierten Stellen. Die bösartigen Veränderungen beschränken sich aber in der Regel auf die obersten Hautschichten und die Basalmembran ist – wie beim Carcinoma in situ – nicht betroffen. Dadurch kommt es in der Regel zu keiner Metastasierung.

Da – wie schon erwähnt – die Maulhöhle ebenfalls mit Plattenepithel ausgekleidet ist, können sich auch hier Plattenepithelkarzinome entwickeln. Diese werden als orale Plattenepithelkarzinome bezeichnet und sind eine häufige Krebserkrankung der Katze. Mehr dazu können Sie in unserem Artikel „Orale Plattenepithelkarzinome bei der Katze“ nachlesen.

Ursachen und Risikofaktoren von Plattenepithelkarzinomen der Katze

Der Großteil (ca. 90 %) der Plattenepithelkarzinome auf der Haut werden bei der Katze durch häufiges Sonnenbaden ausgelöst. Die ultravioletten Strahlen der Sonne schädigen die Epithelzellen der Haut so sehr, dass diese entarten. Ist die Haut unpigmentiert und nur wenig behaart, gelangt mehr UV-Strahlung auf die Haut. Aus diesem Grund ist der Kopfbereich mit seinen wenig behaarten Stellen – wie Nase oder Ohrränder – häufig betroffen. Weiße Katzen haben wegen ihrer fehlenden Pigmentierung ein 13-fach erhöhtes Risiko für ein Plattenepithelkarzinom.

Die Plattenepithelkarzinome bei der Bowen´s Disease werden nicht durch UV-Strahlung ausgelöst. Ihre Ursache ist bis heute noch nicht eindeutig geklärt. Das feline Papillomavirus steht aber unter Verdacht, eine große Rolle bei der Entstehung dieser Form der Plattenepithelkarzinome zu spielen.

Symptome

Plattenepithelkarzinome sind hauptsächlich ein lokales Problem und eine Streuung kommt eher selten vor. Bei vielen Katzen sind die Hautveränderungen das einzige Symptom der Erkrankung.

Über 80 % der Hautveränderungen treten im Gesichtsbereich auf (v.a. Nase, Augenlider, Ohrränder). Zu Beginn sind die betroffenen Hautstellen gerötet, verdickt und krustig. In diesem Stadium werden sie oft für harmlose Verletzungen oder Kratzspuren gehalten. Sie heilen aber trotz Therapie nicht ab und im Verlauf entwickeln sich dann stark krustige, nicht heilende Geschwüre, die sich immer weiter ausbreiten. Der Tumor „frisst“ sich auch in das unter der Haut liegende Gewebe und zerstört es zunehmend. Die Geschwüre sind für die Katze meist unangenehm und schmerzhaft.

Bei Plattenepithelkarzinomen an der Nase kann der Tumor irgendwann deren Struktur völlig auflösen. Im fortgeschrittenen Stadium zeigen die erkrankten Katzen deshalb oft Symptome wie Niesen, ungewöhnliche Atemgeräusche oder Nasenausfluss.

  • Sehr häufige Symptome:

    • Krustige oder blutende, nicht heilende Wunden, v.a. im Gesichtsbereich
  • Gelegentlich auftretende Symptome:

    • Teilnahmslosigkeit (Apathie)
    • Verminderter Appetit
    • Nasenausfluss
    • Niesen
    • Veränderte Atemgeräusche

Wann sollten Sie zum Tierarzt gehen?

Findet man bei der eigenen Katze verdächtige Hautstellen, ist dies kein Grund in Panik zu geraten – der Besuch beim Tierarzt sollte aber möglichst zeitnah geplant werden. Handelt es sich nämlich wirklich um einen bösartigen Hauttumor, kann ein zu langes Abwarten wertvolle Zeit kosten und die Prognose verschlechtern.

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Untersuchungen und Diagnose

Damit der Tierarzt sich ein genaues Bild machen kann, wird er zuerst einige Fragen stellen (z.B. wann die Hautveränderung das erste Mal aufgefallen ist, ob sie größer wird und ob noch weitere Symptome beobachtet wurden) und eine Allgemeinuntersuchung durchführen. Danach wird er sich die Hautveränderungen genau anschauen und abtasten.

Nach der Untersuchung kann der Tierarzt manchmal einen ersten Verdacht äußern, eine Diagnose ist durch bloßes Anschauen und Abtasten der Hautveränderung aber nicht möglich. Eine Probenentnahme aus dem veränderten Gewebe ist deshalb unerlässlich und sollte immer durchgeführt werden. Mit Hilfe einer Biopsie kann in den allermeisten Fällen eine sichere Diagnose gestellt werden. Dabei wird während einer kurzen Narkose eine Gewebeprobe der veränderten Haut entnommen und zu einem Pathologen geschickt. Dieser untersucht die Probe unter dem Mikroskop und kann so eine Entartung und Bösartigkeit der Zellen feststellen.

Vor einer Narkose und auch vor dem Beginn einer Therapie sollte außerdem eine Blutuntersuchung durchgeführt werden, um andere Erkrankungen auszuschließen und den allgemeinen Gesundheitszustand der Katze zu bestimmen. In einigen Fällen wird der Tierarzt außerdem eine Röntgenuntersuchung des Brustkorbs und eine Untersuchung der Lymphknoten empfehlen. Damit kann vor einer intensiven Therapie eine Streuung des Tumors in Lunge oder Lymphknoten ausgeschlossen werden.

Behandlung eines kutanen Plattenepithelkarzinoms bei der Katze

Generell gilt, je früher ein Plattenepithel erkannt und behandelt wird, desto weniger invasiv und radikal muss die Therapie gestaltet werden und desto besser die Prognose.

Chirurgische Entfernung

Die chirurgische Entfernung ist in den meisten Fällen die Therapie der Wahl. Bei einer vollständigen und großzügigen Entfernung kann der Tumor meist langfristig und gut kontrolliert werden. Ist der Tumor zu groß um ihn vollständig entfernen zu können, bleiben bösartige Zellen im Gewebe zurück und der Tumor wächst nach (Rezidiv). Deswegen ist es wichtig den Tumor sehr früh – bevor er sehr groß wird – zu entdecken und bald zu behandeln. Je kleiner er bei der Operation ist, desto weniger Gewebe muss entfernt werden und desto besser die Chance auf eine langfristige Tumorfreiheit.

Plattenepithelkarzinome am Ohrrand können sehr gut chirurgisch behandelt werden, weil das gesamte Ohr bzw. Teile davon leicht amputiert werden können. Bei Karzinomen an der Nase ist dies oft schwieriger, vor allem wenn große Teile der Nase entfernt werden müssen. Die Katzen kommen, nach der Heilungsphase, in der Regel aber gut damit zurecht. Der Anblick einer Katze ohne Nase ist jedoch für einige Besitzer gewöhnungsbedürftig.

Kryotherapie

Die Kryotherapie – eine Vereisung des Tumors – wird vor allem bei Plattenepithelkarzinomen am Augenlid durchgeführt. An dieser Stelle ist eine herkömmliche chirurgische Entfernung oft schwierig. Auch bei oberflächlichen Plattenepithelkarzinomen kann diese Behandlung wirksam sein.

Strahlentherapie

Alternativ können erkrankte Katzen auch mit einer Strahlentherapie behandelt werden. Dabei werden durch ionisierende Strahlung die Tumorzellen abgetötet. Viele Katzen sprechen gut auf eine Strahlentherapie an und der Tumor bildet sich zurück. Für die Strahlentherapie sind mehrere Sitzungen notwendig, bei der die Katze in Narkose bestrahlt wird. Ein Nachwachsen des Tumors (Rezidiv) wird – v. a. bei weit fortgeschrittenem Krankheitsverlauf – häufiger beobachtet, als nach einer kompletten chirurgischen Entfernung.

Intraläsionale Chemotherapie

Eine weiter Therapiemöglichkeit stellt die sogenannte intraläsionale Chemotherapie dar. Im Gegensatz zur „klassischen“ Chemotherapie – die bei dieser Krebsart unwirksam ist – wird das Krebsmedikament hier nicht über die Vene im gesamten Organismus verteilt, sondern direkt in die Hautveränderung gespritzt.

Photodynamische Therapie

Bei Vorstufen bzw. sehr oberflächlichen Plattenepithelkarzinomen ist die sogenannte photodynamische Therapie eine wirksame Behandlungsmethode. Dabei wird eine spezielle Substanz entweder über die Vene verabreicht oder als Salbe direkt auf den Tumor aufgebracht. Durch Licht einer bestimmten Wellenlänge wird die Substanz aktiviert und schädigt die Tumorzellen. Das Licht dringt jedoch nicht tief in die Haut ein, weshalb nur sehr oberflächlich ein Effekt erreicht wird. Die photodynamische Therapie wird bisher nur sehr vereinzelt (in der Schweiz und Österreich) angeboten.

Prognose

Die Prognose beim Plattenepithelkarzinom der Haut ist stark abhängig vom Stadium und Ausbreitungsgrad der Erkrankung. Je früher die Diagnose gestellt und eine Therapie begonnen wird, desto besser ist die Prognose.

Bei den Vorstufen des Plattenepithelkarzinoms (Aktinische Keratose bzw. Carcinoma in situ) kann mit einer frühzeitigen Therapie in vielen Fällen eine Heilung erzielt werden. Die Prognose ist dementsprechend gut.

Haben die Karzinome die unterste Hautschicht (Basalmembran) durchbrochen (handelt es sich also nicht mehr um eine Vorstufe), kann die Prognose sehr unterschiedlich sein. Ist die Hautveränderung noch relativ klein und kann vollständig chirurgisch entfernt werden, ist die Prognose oft relativ gut. Der Tumor kann dann in vielen Fällen langfristig, also über viele Monate oder sogar Jahre, kontrolliert werden. Wenn der Tumor nicht komplett entfernt werden kann, ist ein Nachwachsen (Rezidiv) sehr wahrscheinlich. Die Prognose ist aus diesem Grund bei sehr großen Hautveränderungen, die nicht vollständig entfernt werden können, sehr vorsichtig.

Vorbeugung

Da der Großteil der Plattenepithelkarzinome durch übermäßige UV-Strahlung ausgelöst wird, ist das Meiden von zu viel Sonneneinstrahlung die beste Vorbeugung. Vor allem weiße Katzen, aber auch Tiere die wenig pigmentiert oder behaart sind, sollten die direkte Sonne meiden. Freigänger-Katzen sollten sich, wenn möglich, nicht in der Mittagssonne draußen aufhalten. Die Ohrränder können mit Sonnencreme (Lichtschutzfaktor 50+) geschützt werden. Sonnencreme auf der Nase und dem Nasenrücken ist meist schwierig aufzutragen, weil die Katzen diese schnell ablecken.

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Quellen

03. April 2019

Von Dr. Stefanie Mallmann