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Katze trauert – Wann neue Partnerkatze dazu?

Frage der Woche vom 09.12.2018

//Katze trauert – Wann neue Partnerkatze dazu?

Frage: Was ist eine angemessene Trauerzeit für eine Katze und wie merke ich, dass diese vorbei ist?

Zu meinem Einpersonenhaushalt gehörten zwei Katzen: Mo und Mia (Maine-Coons, Bruder und Schwester, 16 Monate alt, Freigänger). Mia ist letzte Woche verschwunden. Nach tagelanger Suche hat sich am Sonntag bestätigt, dass sie überfahren wurde.

Mo scheint zu trauern: er frisst schlecht, er schleckt und zwickt mich, und er schläft wieder auf meiner Bettdecke (wie als Kätzchen), ist unruhiger als sonst, gelegentlich ruft er auch. Da er ganztags in der Wohnung bleiben muss, wenn ich arbeite, braucht er wieder Katzen-Gesellschaft.

Woran merke ich, dass seine Trauerzeit vorbei ist? (Wenn er sich im Verhalten wieder entspannt?) Ich befürchte, dass er sich in dieser Zeit so sehr an mich bindet, dass er mit jeder neuen Katze Probleme haben könnte…

Wäre es am besten eine ganz junge Katze (3 Monate, gerne weiblich) aufzunehmen? Ich wohne Loft-artig, für die Eingewöhnungszeit gibt es keine separaten Zimmer. Mit einer so kleinen Katze hätte Mo aber die höheren Zonen der Wohnung am Anfang für sich allein.

Antwort: Erlauben Sie sich und Ihrer Katze zu trauern – so lange wie nötig

Wenn eine geliebte Katze stirbt, ist das nicht nur für uns schlimm. Auch die hinterbliebene Katze kann stark unter dem Verlust leiden und um ihren Gefährten trauern. Dabei kann das Ausmaß der Trauer von Katze zu Katze sehr unterschiedlich sein: manche scheinen gar nicht betroffen zu sein oder blühen sogar auf, andere leiden deutlich und zeigen eindeutige Trauer-Anzeichen.

Genau wie bei uns Menschen gilt dabei, dass jede Katze anders trauert. Ein bestimmtes Muster scheint allerdings besonders häufig zu sein: In der ersten Zeit sucht die hinterbliebene Katze nach dem verlorenen Gefährten, läuft unruhig durch die Wohnung, maunzt und schreit, schnüffelt von Raum zu Raum und schaut aus dem Fenster. Anschließend folgt eine Phase der Depression: die trauernde Katze wird sehr ruhig, starrt nur in die Gegend, frisst schlecht oder verweigert das Futter ganz. Schließlich kommt es jedoch zur Akzeptanz. Die Katze verhält sich wieder normaler. Allerdings kann sich das Verhalten manchmal nachhaltig verändert haben. Manche Katzen werden nach dem Verlust des Partners anhänglicher als früher oder blühen sogar auf.

Wie lange sollte man mit einem neuen Artgenossen warten, wenn die Katze trauert?

So wie es klingt, befindet sich Ihr Kater Mo aktuell noch in der ersten Phase der Trauerbewältigung: er sucht nach seiner Schwester und versteht noch nicht, dass sie leider nicht zurückkommen wird. Das ist eine schwierige Zeit, sowohl für die trauernde Katze als auch für uns Menschen. Man ist sowieso schon traurig über den Verlust der verstorbenen Katze und sieht dann noch, wie die hinterbliebene Samtpfote leidet.

Es ist sehr verständlich, dass Sie Ihrem Kater möglichst schnell über den Verlust hinweghelfen wollen – und was wäre da besser, als Ablenkung durch eine neue Gefährtin? Leider funktioniert das aber häufig nicht so gut, wie wir uns das vorstellen – denn eine neue Katze ist nicht „seine“ Mia.

Eine Vergesellschaftung mit einem neuen Artgenossen bedeutet selbst unter den besten Umständen Stress für die Katzen. Und wenn die Nerven in der Trauerzeit blank liegen, kann es erst recht problematisch werden.

Besser ist es also, zu warten, bis sich die Situation etwas beruhigt hat und Ihr Kater nicht mehr so sehr unter der Trauer leidet. Wie lange das dauert, kann sehr unterschiedlich sein und von ein, zwei Wochen bis mehrere Monate reichen. Daher kann man leider auch nicht pauschal sagen, was eine angemessene Trauerzeit ist. Achten Sie einfach auf Ihren Kater und hören Sie auf Ihr Bauchgefühl: Wenn Sie das Gefühl haben, dass er sich wieder „normal“ verhält – und auch sie bereit für eine neue Katze sind – ist der richtige Zeitpunkt gekommen.

Ich würde mir dabei nicht allzu große Sorgen machen, dass sich Ihr Kater in der Zeit als „Einzelkatze“ so sehr an sie bindet, dass er keine Artgenossen mehr akzeptiert. Wenn er vorher sozial und verträglich war, wird er es aller Voraussicht nach auch in einigen Wochen noch sein.

Tipps, wie man einer Katze, die trauert, über die schwierige Zeit hinweghelfen kann:

  • Halten Sie an Ihrer Routine fest, z.B. indem Sie zu den gleichen Zeiten füttern wie früher. Gewohnte Abläufe geben Ihrer Katze Sicherheit und Stabilität.
  • Akzeptieren Sie die Art, wie Ihre Katze trauert. Wenn Sie sehr viel Aufmerksamkeit und Nähe wünscht – schenken Sie sie ihr. Möchte Ihr Stubentiger lieber allein sein, respektieren Sie auch das.
  • Sprechen Sie viel mit Ihrer Katze. Dabei ist nicht so sehr entscheidend, was Sie sagen. Für viele Katzen ist der Klang der gewohnten Stimme einfach tröstend.
  • Beschäftigen Sie sich aktiv mit Ihrer Katze. Egal ob Spielen, Streicheln oder Bürsten: Verbringen Sie viel Zeit mit Ihrer Katze, in der Sie das tun, was sie gerne mag.
  • Achten Sie gut darauf, wieviel Ihre Katze frisst. Wie schon erwähnt, kann der Appetit deutlich zurückgehen, wenn eine Katze trauert. Manche Stubentiger hören sogar ganz auf zu fressen – eine gefährliche Situation: in der Folge kann es nämlich zu einer lebensbedrohlichen Leberverfettung (Hepatolipidose) kommen. Falls Ihre trauernde Katze länger als ein bis zwei Tage (fast) keine Nahrung aufnimmt, sollten Sie daher Ihren Tierarzt kontaktieren. Aber auch sonst kann dieser Ihrer Katze bei anhaltendem Appetitmangel helfen, z.B. mit appetitanregenden Medikamenten.
  • Wohlfühlpheromone können trauernden Katzen dabei helfen, sich zu entspannen. Ein Produkt wie Feliway® Classic – ein Zerstäuber für die Steckdose, der Wohlfühlpheromone verbreitet – sind ideal geeignet, um für ein wenig mehr Sicherheit und Geborgenheit zu sorgen. Mehr Infos darüber, wie diese Wohlfühlpheromone funktionieren und welche anderen unterstützenden Mittel gegen Stress es gibt, haben wie hier zusammengefasst: Pheromone, Bachblüten und Beruhigungsmittel: unterstützende Stressbehandlung für die Katze.

Nach der Trauerzeit: Auswahl einer passenden Partnerkatze

Haben Sie das Gefühl, dass Ihr Kater seine Trauerbewältigung (weitestgehend) abgeschlossen hat, folgt die nächste Herausforderung: Die Auswahl einer neuen Partnerkatze. Dabei gilt als Faustregel, dass beide – also die „alte“ und die neue Katze – ein ähnliches Alter und ein ähnliches Energielevel haben sollten. Hat sich Mo sehr gut mit Mia verstanden, kann die Vergesellschaftung auch dadurch einfacher werden, dass Sie eine neue Katze auswählen, die ihr vom Charakter her ähnlich ist.

Ihre Loft-artige Wohnsituation verkompliziert die Vergesellschaftung natürlich etwas und ich verstehe, wieso eine junge Katze, die nicht so hoch klettern kann, eine gute Wahl sein könnte. Das Problem ist, dass Ihr Mo natürlich auch dominant gegenüber dem kleinen Kätzchen auftreten könnte. Eine gleichaltrige Samtpfote könnte damit möglicherweise besser klarkommen.

Mein Rat: Falls Sie nicht auf einer Katze vom Züchter bestehen, wenden Sie sich an Tierheime oder Tier-Hilfsorganisationen. Die Pfleger dort wissen oft sehr genau, wie die Charaktere ihrer Pflegekatzen sind und welche Mieze am besten zu Mo passen könnte.

Falls es auf jeden Fall wieder eine Maine Coon-Katze sein soll: Seiten wie http://www.rassekatzen-im-tierheim.de/ haben sich auf die Vermittlung von Rassekatzen spezialisiert, andere wiederum sogar auf eine ganz bestimmte Rasse, z.B. https://maine-coon-hilfe.de/.

Übrigens: Umfragen haben ergeben, dass sich gleichgeschlechtliche Katzenpaare oft besser verstehen als „gemischte Doppel“. Vielleicht wäre ein Kater also auch eine gute Option für Mo? Falls sich Mo sehr gut mit Mia verstanden hat, kann es getreu dem Motto: „Never change a winning Team“ aber natürlich auch sinnvoll sein, wieder eine weibliche Katze zu adoptieren.

Sie möchten unseren Tierärzten gerne selber eine Frage stellen? Dann hier entlang!

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2018-12-12T16:25:45+00:00

Über den Autor:

Als ursprüngliche Schwäbin bin ich 2007 nach München gezogen um Tiermedizin an der LMU zu studieren. Anschließend hab ich meine Doktorarbeit in der Dermatologie der Medizinischen Kleintierklinik München geschrieben – über eine neue Art der Immuntherapie bei Hunden mit Umweltallergie. Meine Lieblingsbereiche sind die Dermatologie, die Innere Medizin und Infektionskrankheiten. Ich bin stolze Dosenöffnerin für meine beiden Miezen Nini und Clyde, liebe alle Tiere (Katzen aber natürlich besonders) und habe eine Schwäche für Kuchen.