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Katze miaut ständig – auch nachts

///Katze miaut ständig – auch nachts

Ihre Katze miaut ständig und viel – und das vielleicht sogar nachts? Dafür kann es viele Gründe geben, die von komplett harmlos bis hin zu ernsten Erkrankungen reichen. Bei alten Katzen kommt allerdings noch eine andere, bei vielen unbekannte, Ursache in Frage: das kognitive Dysfunktions-Syndrom – quasi die Demenz der Katze.

Lesen Sie hier, welche Ursachen es haben kann, wenn Ihre Katze ständig miaut – und wann Sie mit ihr zum Tierarzt gehen sollten.

 

Beschreibung

Wenn Katzen ständig miauen und schreien – auch nachts – kann das die Beziehung zum eigentlich geliebten Vierbeiner ganz schön belasten.

Bevor man aber mit der Katze schimpft und versucht, ihr das abzugewöhnen, sollte man noch mal innehalten – denn dieses ungeliebte Verhalten kann ganz unterschiedliche Ursachen haben.

Bei manchen Katzen ist ständiges Miauen einfach ganz normal. Wieviel Katzen miauen ist nämlich von Tier zu Tier unterschiedlich – und hängt auch ein bisschen von der Rasse ab. So sind beispielsweise Siam-Katzen dafür bekannt besonders „gesprächig“ zu sein.

Wenn eine Katze aber ständig miaut und schreit, obwohl das für sie eigentlich ungewöhnlich ist, sollte man das nicht auf die leichte Schulter nehmen – denn auch verschiedene Krankheiten können die Ursache sein. Wenn Ihre Katze also auf einmal mehr miaut als sonst, sollte sie unbedingt mal beim Tierarzt durchgecheckt werden. Das gleiche gilt auch, wenn sie plötzlich angefangen hat, sehr laut, anhaltend oder anders als sonst (z.B. mit veränderter Stimme) zu miauen/schreien.

Ursachen für ständiges Miauen und Schreien

Krankheiten und Schmerzen

Genau wie wir Menschen, bringen es auch viele Katzen deutlich zum Ausdruck, wenn sie sich nicht gut fühlen oder Schmerzen haben. Wenn Ihre Katze viel schreit oder miaut, könnte also theoretisch jede Krankheit als Ursache in Frage kommen, die Schmerzen oder Unwohlsein verursacht (wenn wir ehrlich sind, könnte also fast jede Krankheit dahinterstecken). Bei Katzen, die nachts ständig miauen, liegt allerdings häufig eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) zugrunde.

Aber auch großer Hunger oder Durst können zum Schreien und Miauen führen, wenn Ihre Katze diese Bedürfnisse nicht selbstständig befriedigen kann (z.B. weil sie nicht ständig Zugang zu frischem Wasser hat).

Taubheit/Schwerhörigkeit

Wenn Katzen schlecht hören oder sogar taub sind, schreien und miauen sie häufig sehr laut – lauter als gesunde Katzen. Das liegt daran, dass sie sich selbst nicht mehr oder nur noch schlecht hören und dadurch nicht einschätzen können, wie laut ihr Miauen tatsächlich ist. Manche Katzen fangen auch an, öfter oder sogar ständig zu miauen.

Ein weiteres Anzeichen für Taubheit/Schwerhörigkeit ist, dass die Katzen nicht mehr auf Geräusche in ihrer Umgebung reagieren (z.B. Öffnen der Futterdose, Rufen des Namens, Klatschen in die Hände).

Eine Schwerhörigkeit/Taubheit kann bei Katzen verschiedene Ursachen haben:

  • Angeborener Defekt (häufig bei weißen Katzen mit blauen Augen; wenn die Taubheit angeboren ist, tritt sie i.d.R. schon bei sehr jungen Katzen auf)
  • Altersbedingt (z.B. durch Degeneration der Haarzellen im Innenohr)
  • Schädigung der Ohren durch zu laute Musik/Geräusche
  • Ohrentzündung/-infektion (Außen-, Mittel- oder Innenohrentzündung: Otitis externa, media oder interna)
  • Trauma (z.B. Riss des Trommelfells nach Sturz oder Autounfall)
  • Medikamente (z.B. bestimmte Antibiotika, Ohrentropfen, Ohrreiniger, Medikamente zur Chemotherapie)
  • Polypen in den Ohren (gutartige Wucherungen)
  • Tumor (in den Ohren oder im Gehirn)

Alte Katzen: Kognitives Dysfunktions-Syndrom („Demenz“)

Ihre alte Katze miaut nachts ständig? Dann ist es gut möglich, dass ein sogenanntes kognitives Dysfunktions-Syndrom dahintersteckt, ein Zustand, der sich mit der Demenz beim Menschen vergleichen lässt.

Genau wie bei uns Menschen lassen nämlich auch bei alten Katzen bestimmte Fähigkeiten nach. Denn auch das Gehirn altert und kann irgendwann nicht mehr alles so gut wie noch in jüngeren Jahren. Das Gedächtnis verschlechtert sich, die Katzen ändern ihr Verhalten, aber auch die Sinne (wie z.B. das Gehör) können nachlassen.

Typische Anzeichen einer kognitiven Dysfunktion („Demenz“) bei alten Katzen sind

  • Nächtliches Miauen:

    Dass ihre alte Katze nachts miaut und schreit, ist oft das erste Anzeichen einer kognitiven Dysfunktion, das Katzenbesitzer wahrnehmen. Tatsächlich handelt es sich beim nächtlichen Miauen auch um das häufigste Symptom der „Demenz“ bei der Katze. Dabei kann sich das nächtliche Schreien auch noch durch eine altersbedingte Schwerhörigkeit verstärken.

  • Schlafstörungen:

    Häufig wachen die betroffenen Katzen nachts auf. Teilweise sind sie dann verwirrt, wissen evtl. gar nicht wo sie sind und fangen deswegen an zu miauen und zu schreien. Manche Tierbesitzer berichten, dass ihre Katzen (oder auch Hunde) erst aufhören zu schreien, wenn sie von ihnen hochgehoben, zurück ins Körbchen gesetzt und beruhigt werden.

  • Orientierungslosigkeit:

    Wie eben schon angedeutet, können Katzen mit „Demenz“ verwirrt sein und teilweise vergessen, wo sie sind. Manche finden sich auch in der Wohnung nicht mehr so gut zurecht und wissen z.B. nicht mehr, wie sie zum Katzenklo kommen. In der Folge kann es zu Unsauberkeit kommen. Häufig sieht man allerdings auch, dass Katzen in Ecken „steckenbleiben“ und nicht mehr wissen, wie sie rauskommen.

  • Verändertes Sozialverhalten:

    Das Verhalten gegenüber Menschen oder anderen Tieren kann sich verändern. Die betroffenen Katzen wollen z.B. nicht mehr so viel spielen, werden reizbar oder wollen weniger oder aber auch mehr Streicheleinheiten als früher. Manche werden auch sehr nervös und leiden z.B. plötzlich an Trennungsängsten.

  • Veränderte Aktivität:

    Viele alte Katzen mit „Demenz“ sind nicht mehr so aktiv wie früher. Oft putzen sie sich nicht mehr so viel, haben kein großes Interesse, die Umgebung zu erkunden und schlafen mehr als früher. Wenn die „Demenz“ fortschreitet, kann sich das allerdings auch wieder umkehren: die Katzen sind dann oft ruhelos, wandern ohne Ziel durch die Wohnung und zeigen teilweise auch „Zwangsstörungen“, wie übertriebenes oder sogar extremes Putzen.

  • Verlust der „Erziehung“:

    Manche Katzen vergessen Sachen, die für sie früher ganz selbstverständlich waren – wie z.B. für ihre großen und kleinen Geschäfte aufs Katzenklo zu gehen. Aber auch eingeübte Tricks, wie z.B. Pfote geben, können nicht mehr so gut klappen.

Tatsächlich zeigen die Hälfte aller Hunde und Katzen über 11 Jahren Anzeichen einer kognitiven Dysfunktion.

Revier- oder Sexualverhalten

Wenn weibliche Katzen paarungsbereit, also rollig, sind, teilen sie dies möglichen Sexualpartnern gerne mit – und zwar indem sie sehr laut und viel miauen und schreien. Ein weiteres, typisches Anzeichen für die Rolligkeit ist das namensgebende Verhalten der Katzen: Sie rollen sich am Boden. Die Rolligkeit kommt als Ursache für das viele Miauen und Schreien natürlich nur bei unkastrierten Katzendamen in Frage.

Aber auch wenn fremde Artgenossen in ihr Revier eindringen, fühlen sich viele Katzen (v.a. unkastrierte Kater) dazu veranlasst, diese durch lautstarkes Schreien, Knurren und Fauchen zu vertreiben. Dabei kann es schon reichen, wenn sie durchs Fenster eine fremde Katze im Garten sehen.

Stress und/oder Angst

Wenn Katzen unter Stress leiden oder Angst haben, kann das ebenfalls dazu führen, dass sie viel miauen und schreien – selbst, wenn sie sonst eher leise sind. Dabei kann Stress bei Katzen viele Ursachen haben, z.B. Konflikte mit Artgenossen, zu wenig Katzenklos oder Versteckmöglichkeiten, zu wenig Platz, eine Krankheit, Langeweile oder Einsamkeit.

Mehr Informationen zu diesem Thema (inkl. 33 Tipps, was sie den Stress bei Ihrer Katze verringern können), finden Sie hier: Stress und Angst bei Katzen.

Betteln um Aufmerksamkeit

Manchmal sind wir Katzenhalter auch selber schuld, wenn unsere Stubentiger mit der Zeit immer mehr miauen und uns damit sogar nachts wecken. Oft schenken wir ihnen nämlich Aufmerksamkeit und streicheln sie oder geben ihnen Futter/Leckerlis, wenn sie nur lange genug miauen. Damit belohnen wir sie sozusagen für dieses Verhalten und die Katze lernt: Miauen = Aufmerksamkeit und/oder Futter.

Irgendwann probiert die Katze dieses Verhalten möglicherweise auch nachts aus. Steht man dann auf und gibt ihnen Futter, um danach in Ruhe weiterschlafen zu können, hat die Katze gewonnen. Vermutlich wird sie dann öfter nachts miauen.

Das Blöde ist: die Katze einfach zu ignorieren, wenn sie (nachts) schreit, ist erst mal auch keine Lösung – denn wie hoffentlich klar geworden ist, kann auch eine andere, ernstere Ursache hinter dem Problem stecken. Also: Erst wenn diese ausgeschlossen wurden und klar ist, dass es sich um eine reine „Ungezogenheit“ handelt, sollte man über erzieherische Maßnahmen nachdenken.

Dann sollten Sie zum Tierarzt

Wir schon mehrfach erwähnt: Wenn eine Katze ständig miaut und schreit, kommen auch viele Krankheiten und Schmerzen als Ursache in Frage. Deswegen sollte in einem solchen Fall immer nach der Ursache geforscht werden.

Der Maßstab, wann man zum Tierarzt sollte, ist dabei immer das „Normalverhalten“ der eigenen Katze: Wenn sie schon immer viel miaut hat, ist sie vermutlich einfach sehr „gesprächig“ und es besteht kein Anlass zur Sorge.

Wenn ihre Katze allerdings (mehr oder weniger plötzlich) anfängt, sehr oft bzw. ständig, laut, anhaltend oder sonst wie anders als sonst zu miauen, dann sollten Sie sie mal zum Tierarzt bringen und durchchecken lassen.

Tritt extremes Miauen und Schreien („wie am Spieß“) sehr plötzlich auf und beobachten Sie dabei vielleicht sogar noch weitere Symptome (z.B. Schwäche in den Hinterbeinen, Seitenlage, ständige Besuche des Katzenklos ohne Harnabsatz) sollten Sie sich so schnell wie möglich an Ihren Tierarzt wenden – denn es könnte sich um einen lebensbedrohlichen Notfall handeln (z.B. Aortenthrombose, Harnröhrenverschluss).

Untersuchungen und Diagnose bei ständigem Miauen

Welche Untersuchungen ein Tierarzt durchführen wird, hängt tatsächlich von vielen Faktoren ab – z.B. ob Ihr Stubentiger kastriert ist; seit wann, wie oft und in welchen Situationen Ihre Katze miaut; wie alt sie ist und ob sie noch andere Symptome zeigt.

Es kann also sein, dass Ihr Tierarzt gar nicht viel untersuchen muss. Andererseits können aber auch aufwendige Untersuchungen nötig sein, z.B. eine Endoskopie, um einen Polypen zu entdecken.

Zum „Standardprogramm“, wenn eine Katze plötzlich viel miaut/schreit, gehören i.d.R. allerdings eine gründliche klinische Allgemeinuntersuchung (inkl. in die Ohren schauen mit einem speziellen Gerät namens Otoskop), ein Blutbild, die Organwerte und eine Urinuntersuchung. So kann der Tierarzt Hinweise auf mögliche Krankheiten als Ursache für das gesteigerte Miauen/Schreien bekommen – oder diese eben ausschließen.

Behandlung bei ständigem Miauen

Wenn eine Katze ständig miaut bzw. schreit, hängt die Behandlung komplett von der zugrundeliegenden Ursache ab:

Steckt eine Krankheit hinter dem Verhalten, muss diese natürlich zielgerichtet behandelt werden. Dann sollte sich auch das ständige Miauen bessern.

Handelt es sich dagegen um ein reines Verhaltensproblem, kann es Sinn machen, sich an einen auf Verhalten spezialisierten Tierarzt zu wenden. Denn dieser kann mit Ihnen genau besprechen, welche Maßnahmen in Ihrem Fall am besten geeignet sind. Wenn Ihre Katze gestresst ist oder unter Angst leidet, finden Sie hier 33 Tipps, die helfen könnten: Stress und Angst bei Katzen.

Bei ständigem Miauen/Schreien als Folge von Sexual- oder Territorialverhalten sollten Sie unbedingt über eine Kastration Ihrer Katze nachdenken. Denn kastrierte Kätzinnen können nicht mehr rollig werden und kastrierte Kater sind i.d.R. deutlich weniger territorial.

Wenn Katzen an einer kognitiven Dysfunktion („Demenz“) leiden, können manche Nahrungsergänzungsmittel und Medikamente helfen, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. Besprechen Sie am besten mit Ihrem Tierarzt, welche Mittel bei Ihrer Katze in Frage kommen. Andererseits kann es aber auch helfen, wenn Sie viel mit Ihrer Katze spielen und sie dabei ihr Köpfchen benutzen muss.

Das können Sie selbst tun

Wenn Ihre Katze ständig miaut, sollten Sie sie genau beobachten: Finden Sie einen Auslöser für dieses Verhalten? Miaut sie nur in bestimmten Situationen (z.B. nachts, nach dem Fressen, wenn sie am Fenster sitzt)? Zeigt Ihre Katze noch weitere Symptome (z.B. gesteigerten Appetit, großen Durst, häufiges Pinkeln)? All diese Informationen können Ihnen und Ihrem Tierarzt dabei helfen, die Ursache für das ständige Miauen zu finden.

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Quellen

14. Juli 2018

Von Dr. Iris Wagner-Storz

2018-10-27T20:38:51+00:00

Über den Autor:

Als ursprüngliche Schwäbin bin ich 2007 nach München gezogen um Tiermedizin an der LMU zu studieren. Anschließend hab ich meine Doktorarbeit in der Dermatologie der Medizinischen Kleintierklinik München geschrieben – über eine neue Art der Immuntherapie bei Hunden mit Umweltallergie. Meine Lieblingsbereiche sind die Dermatologie, die Innere Medizin und Infektionskrankheiten. Ich bin stolze Dosenöffnerin für meine beiden Miezen Nini und Clyde, liebe alle Tiere (Katzen aber natürlich besonders) und habe eine Schwäche für Kuchen.